Sonntag, 18. Oktober 2015

Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland

Hallo ihr Lieben,

jetzt ist schon wieder fast ein Monat vergangen seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Die letzten 4 Wochen waren eigentlich recht normal. Ich habe viel mit Freunden gemacht, war auf einem Geburtstag, hatte Portugiesisch-Kurs, war shoppen in einer Stadt hier in der Nähe, war in einem Wasserpark und so weiter. Am 27. September ist in Brasilien der Tag von zwei Heiligen (katholische Kirche). An diesem Tag laufen die Kinder von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten ( wie an Halloween oder Fasching in Deutschland, je nach Region). Ein anderer Austauschschüler und ich waren bei unserem Portugiesisch-Lehrer zu Hause und haben dort auch mitgeholfen Süßigkeiten zu verteilen und am Abend gab es dann mal wieder Pizza ( selbstgemacht von meinem Portugiesisch Lehrer-> die beste Pizza, die ich je gegessen habe.). Natürlich war auch an diesem Tag mal wieder Pizza mit Schokolade dabei*-*
Die Woche danach wollten wir dann eigentlich ins Stadion Maracana fahren (dort wo Deutschland den WM-Titel geholt hat;)), was dann am Ende leider doch nicht geklappt hat. Mir wurde aber versprochen, dass wir dort sicher aber noch in diesem Jahr hinfahren werden. Letzte Woche waren wir shoppen und sonntags  in einem super schönen Wasserpark hier in der Nähe und in diesem Park gibt es die 2. höchste Wasserrutsche der Welt, die jedoch gesperrt war als wir dort waren. Letzte Woche hatten  wir 2 Tage schulfrei ( Kindertag (auch Feiertag wegen der katholischen Kirche) und Tag der Lehrer (Schulen sind geschlossen)). Am Mittwoch hatten wir deswegen dann ein kleines Fest in der Schule für unsere Lehrer und jeder hatte etwas zum Essen mitgebracht.*-* Meine Schule ist für mich ziemlich klein und der Zusammenhalt ist echt richtig toll. Ich habe es noch nie erlebt in Deutschland, dass auf einmal die ganze Schule anfängt bei einem Video mitzusingen oder alle so motiviert bei einer Schulveranstaltung mitmachen. Es war echt toll so etwas mitzuerleben.
Gestern musste ich mit Freunden eine Präsentation vorbereiten für die Schule, war bei einem Churrasco und bei einem Geburtstag und habe wahrscheinlich allein gestern wieder 5 kg zugenommen. Ich gehe hier zwar ins Fitnessstudio und mache Zumba, aber am Ende des Jahres werde ich wohl doch typisch Austauschschüler nach Deutschland als Kugel zurückrollen. Ich überlege aber jetzt hier mit Handball, einem anderen Tanz und Gitarren-Unterricht anzufangen, einfach um abends unter der Woche noch ein wenig mehr zu machen und ich kann hier wahrscheinlich auch bei einem Englisch-Kurs für ärmere Kinder mithelfen, die sich normalerweise einen solchen Kurs nicht leisten könnten.
Da es recht entspannte 4 Wochen waren gibt es jetzt nicht so viel mehr darüber zu erzählen und ich dachte mir, ich könnte mal einen Blog-Eintrag über Unterschiede machen.
Es sind echt viel mehr als ich am Anfang gedacht hätte und ich kann jetzt sicher nicht alle aufführen, aber ich möchte euch wenigstens einen kleinen Einblick geben.

In der Schule:
-Lehrer werden geduzt
-Man hat nur ein Klassenzimmer, in dem alle Unterrichtsstunden stattfinden (auch Naturwissenschaften), außer Sport
-Kunstunterricht ist hier nur Theorie (gut für mich;))
-es ist nicht komisch, wenn man von seinen Lehrern umarmt wird oder ein Küsschen auf die Wange bekommt
-Jeder hat einen Einzeltisch
-man kann sein Handy im Klassenzimmer aufladen..
-es wird viel weniger Unterricht gemacht..
-man hat nur eine Pause nach 3 Stunden Unterricht (15 Minuten, werden aber immer 25-30 Minuten draus)
-die Schule fängt früher an (offiziell: 7:00 Uhr, Realität: 7:10 Uhr)
-Man wird am Eingang morgens von einer Frau begrüßt
-Man kann nicht einfach reingehen, sondern muss erst durch eine Drehkreuz (mit einer Schülerkarte oder Fingerabdruck)
-Schuluniform ist Pflicht
-Beim Gong stehen alle auf und gehen in die Pause, egal ob der Lehrer gerade mitten im Satz ist oder nicht
-Es ist Frontal-Unterricht, das heißt, der Lehrer erklärt den Stoff, wenn man Fragen hat ruft man einfach rein, aber die Schüler werden normalerweise nicht in den Unterricht mit eingebaut und es wird sich nicht gemeldet
-der Respekt zu Lehrer ist hier deutlich geringer
-man hat sehr oft keinen Unterricht und sitzt einfach nur da
-an meiner Schule gibt es Überwachungskameras und Security-Leute
- Man darf sich in der Schule nicht auf den Mund küssen
-man darf in der Schule nicht zu nah an einem Jungen stehen
-es gibt überall kostenlose Wasserspender
-in der Pause gibt es oft Musik
-wenn man sich etwas zum Essen kaufen will muss man sein Geld in Wertmarken wechseln lassen, nur um danach einen Meter weiter zu gehen, um zu bestellen. Außerdem gibt es keine Schlange in der man sich anstellt. Hier gilt mehr: Der Lauteste gewinnt! Es ist echt interessant dieses Gedrängel dort zu beobachten..

Es ist schon echt interessant, wenn man erst nach etwa zwei Monaten herausfindet, dass der Unterricht eigentlich um 7:00 Uhr anfängt, weil du immer dachtest, dass es um 7:10 anfängt         (eigentlich alle kommen erst nach 7:00 Uhr in der Schule an). Oder du erst nach zwei Monaten weißt, dass die Pause eigentlich nur 15 Minuten lang ist.

in der Stadt:

-dir wird ALLES in Tüten eingepackt
-wenn man ein Heft kaufen will muss man erst das Heft aussuchen, dann geht man zu einem Mitarbeiter und der schreibt dann den Preis auf, dann lässt du das Heft dort und gehst zur Kasse bezahlen und danach kannst du es mit dem Beleg von der Kasse an einem anderen Ort abholen...
-Drogerie und Apotheke sind hier zusammen und es gibt unzählige davon
-es gibt Leute, die mit Mikrofon vor einem Geschäft stehen und die Werbung rumschreien
-es fahren Autos rum, die auf dem Dach eine Box haben, die die ganze Zeit dieselbe Werbung abspielt und damit fahren sie dann den ganzen Tag rum
-um in eine Bank zu gehen wird man erst einmal auf metallische Gegenstände kontrolliert und in der Bank gibt es Leute, die nur die Aufgabe haben, anderen Leuten zu helfen Geld abzuheben
-in einem Shopping-Center gibt es Angestellte, deren Aufgabe es ist einem beim Aufzug fahren zu begleiten. Sie sitzen einfach nur im Aufzug und drücken die Tasten der Stockwerke
-Man kann hier so gut wie alles in Raten zahlen (auch Sneaker zum Beispiel)

Feste:
-Geburtstage: es steht ein schön dekorierter Tisch mit einem riesigen Kuchen und ganz vielen anderen tollen Süßigkeiten da, den man so lange anschauen darf, bis am Ende des Festes das Geburtstagslied gesungen wird. Danach darfst du dir was nehmen und damit ist der Geburtstag dann so gut wie zu Ende
-es gibt viele kleine Dinge zum Essen, die immer zum Platz gebracht werden und nicht eine große Mahlzeit wie in Deutschland
-Feste beginnen hier generell erst später als in Deutschland
-Musik ist viel lauter
-die größten Fest hier: der 1. Geburtstag, der 15. Geburtstag!, die Hochzeit

Anderes:
-Brasilianer sind viel offener und herzlicher
-es gibt hier nicht so etwas wie ein Freibad, wo jeder hingehen kann, sondern nur Clubs, in denen man Mitglied sein muss und wenn man das nicht ist, braucht man die Einladung von einem Mitglied. Dort gibt es dann aber nicht nur einen Pool, sondern meistens auch noch Sportplätze ( hier gibt es eigentlich kaum so etwas wie einen Verein, um zum Beispiel Fußball zu spielen.)
-Brasilianer lieben Fleisch und es gibt jeden Tag und zu fast jeder Mahlzeit Fleisch
-Brasilianer legen mehr wert auf Gemeinschaft als Deutsche
- es ist echt interessant mit Brasilianern Auto zu fahren..
-Brasilianer mögen es gerne sehr laut
-es gibt jeden Tag zum Mittag dasselbe
-man darf das Klopapier nicht ins Klo schmeißen
-man duscht sich hier mehrmals am Tag
-es gibt hier keine Züge für Personen, nur für Güter und diese sind um einiges länger und lauter als in Deutschland
-wenn man zu spät kommt muss man sich nicht entschuldigen
-es ist komisch wenn man pünktlich kommt (bei Festen sind 1- 1 1/2 Stunden Verspätung normal)
-man darf hier kein Wasser aus dem Wasserhahn trinken
-die Häuser hier sind viel dichter aneinander und haben keine spitzen Dächer wie in Deutschland
-die Häuser hier haben keine Heizungen (wozu auch?), sondern nur Klimaanlagen und Ventilatoren
-Man darf kein Wasser aus dem Wasserhahn trinken
-Kaffee wird hier nicht mit Milch, sondern eigentlich nur mit Süßungsmittel oder Zucker getrunken
-wenn man Eis essen will zum Beispiel nimmt man es sich selber und kann auch Saucen und andere Sachen mit darauf machen und dann wird es gewogen und man bezahlt das Gewicht (ist in einigen Restaurants genauso)
-Wenn man Pizza zum Mittag isst wird man echt komisch angeschaut und generell gibt es eher weniger was man auf der Straße isst. Normalerweise setzt man sich immer irgendwo hin (haben halt alle mehr Zeit)


Das waren erstmal ein paar,die mir gerade eingefallen sind, aber vorallem in den ersten Wochen sieht man jeden Tag etwas Neues. Man sieht etwas, was in Deutschland ganz anders ist, man sieht Dinge, die man noch nie vorher gesehen hat. Ich bin allein jetzt nach diesen 2 1/2 Monaten schon so dankbar für diese Erfahrung und alles was ich schon gelernt habe.
Heute wurde die Zeit hier auf Sommerzeit umgestellt und wir haben nur noch 4 Stunden Unterschied zu Deutschland und ab nächster Woche dann nur noch 3.:) Am Freitag hatte es hier schon so gut wie 40 Grad und in Rio de Janeiro sogar schon 50..langsam kommen einem 30 Grad gar nicht mehr so heiß vor, wie noch vor einigen Wochen.
Ich meld mich dann in vier Wochen wieder, nach meiner Reise nach São Paulo und zum Pantanal.:) Ich freu mich schon.
Und falls mein Deutsch schon etwas schlechter geworden ist, dann tut es mir wirklich leid.:D Ich merke das immer, wenn ich mit dem anderen deutschen Austauschschüler hier rede, dass es mir bei manchen Sätzen schon schwer fällt diese auf Deutsch zu bilden. Aber das ist ja nur ein gutes Zeichen dafür, dass man sich eingelebt hat und die Sprach lernt.;)

Bis dahin,

eure Lisa:)

Trifft man hier sehr oft..auch deutlich größere..

2. höchste Wasserrutsche der Welt:D

Stadtzentrum♡



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