Montag, 8. Februar 2016

Die Zeit des Sambas

Hallo ihr Lieben,

nach drei sehr erlebnisreichen Wochen möchte ich auch einmal wieder einen Post machen.
Zunächst einmal war ich noch drei weitere Tage in Sao Paulo und war shoppen und habe diese faszinierende Stadt dann mittwochs wieder verlassen müssen und bin zurück zu meinem brasilianischen zu Hause gefahren. Wie es der Zufall wollte, saß ich im Bus zurück nach Hause neben einer Brasilianerin, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt und die gerade zu Besuch bei der Familie in Brasilien war. Es war ungewohnt auf einmal wieder Deutsch zu sprechen und ich habe viele Wörter automatisch auf Portugiesisch gesagt, weil mir es zuerst auf Portugiesisch eingefallen ist. Das ist einerseits ein schönes Gefühl, weil man dadurch ja merkt, wie man immer flüssiger in dieser Sprache wird und in einer anderen Sprache denkt und träumt, aber andererseits ist es auch ein wenig erschreckend, weil ich in fünf Monaten wieder alles auf Deutsch machen muss.
Nachdem ich zu Hause angekommen war, wurde mir gesagt, dass ich gleich über das Wochenende noch einmal wegfahre und zwar nach Rio de Janeiro. Wir haben dort samstags eine berühmte Treppe im Stadtzentrum angeschaut und sind zum Pao de acucar gefahren, jedoch ist dort samstags viel zu viel los und wir wollen irgendwann anders einmal dahin. Danach waren wir noch in einem Shopping-Center. Abends war ich dann mit der Cousine meines Gastvaters in einer Bar in welcher Samba gespielt wurde. Alle waren am Tanzen und Singen und es war richtig schön.
Danach waren wir noch bei einem Geburtstag von einem ihrer Freunde in Ipanema und da an diesem Tag dort auch schon ein Vor-Karnevalsumzug stattfand, war ganz Ipanema voll mit Menschen.
Am Sonntag ging es auch für mich dann zu einem Karnevalsumzug in Rio. Die Cousine meines Gastvaters spielt bei diesem Umzug in der Band mit.
Hier in Brasilien ist es so, dass der eigentliche Karneval diese Umzüge sind. ''Umzug'' ist vielleicht nicht das richtige Wort dafür. Es gibt ein Fahrzeug mit Sängern und einem Banner des Umzugs, eine Art Marching-Band die den Samba dieses Umzuges spielt und eine 'Königin' des Karnevals-Block.
Innerhalb des Umzuges dürfen alle mitlaufen, die das T-shirt des jeweiligen Umzuges haben (jeder Umzug hat eigene T-shirts, einen eigenen ausgewählten Samba und ein Thema für das jeweilige Jahr). Außerdem ist es hier nicht so, dass die 'Zuschauer' an der Seite stehen und zuschauen, sondern jeder tanzt und singt und läuft mit, nur halt an der Seite. Also kann man diese Umzüge eigentlich als einen großen Haufen von Menschen bezeichnen, die tanzen und singen und Spaß haben.
Es gibt unzählige dieser Umzüge allein in Rio de Janeiro-einige größer, einige kleiner.
Die so bekannten Samba-Tänzerinnen trifft man jedoch nur im Sambodromo, wenn die Samba-Schulen ihren großen Auftritt haben und entsprechen also nur dem Klischee.
Es ist ein unglaubliches Gefühl inmitten dieser Menschen zu stehen und ein Teil davon zu sein. Jedoch war es an diesem Tag unglaublich heiß in Rio de Janeiro (gefühlte 50 Grad) und ich konnte nicht länger dort bleiben als zwei Stunden.
Danach waren wir nur noch etwas Essen und dann musste ich auch schon wieder zurück nach Hause. Die Woche danach habe ich wieder einmal mit Fitness, Freunden und Pool verbracht und das Wochenende danach, war ich mit einer Freundin für zwei Tage bei ihrer Oma in der Nähe von Sao Paulo. Dort waren wir auch shoppen, waren am Pool, waren in einem wunderschönen Park, der zu Ehren der japanischen Einwanderer in der Stadt errichtet wurde und es gab Essen von den Ureinwohnern aus dem Norden Brasiliens. Es war auch ein wunderschönes Wochenende und mit diesem Wochenende gingen die Ferien dann auch schon zu Ende.
In meiner Stadt hier, gab es an den letzten drei Wochenende immer wieder Feste mit Samba und anderer Karnevals-Musik. Die Umzüge in meiner Stadt haben dann jedoch erst am Montag begonnen mit einem Umzug, bei dem alle Jungs als Mädchen verkleidet kommen.
Der eigentliche Karneval hat dann letzten Freitag angefangen und ich war auf dem Karneval in meinem Club hier. Das ist eindeutig der beste Karneval den es in meiner Stadt gibt und zuerst beginnt der Umzug und man läuft einmal durch das Zentrum, Da ich auch das T-shirt des Umzuges hatte, da es auch als Eintrittskarte für die Party danach galt, konnte auch ich bei diesem Umzug mitlaufen und es war einfach unglaublich. Es war zwar nicht so groß wie in Rio, aber es ist ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, wenn man inmitten all dieser Menschen steht und alle tanzen und singen. Bei diesem Umzug gab es auch ein Fahrzeug, welches alle mit Wasser bespritzt hat, was aber eine echt super Idee ist, da es unglaublich heiß war und das auch noch 9 Uhr abends.
Nachdem wir wieder in dem Club angekommen sind ging das Fest los, mit Samba und anderer Karnevals-Musik und alle haben zusammen getanzt. Es scheint schon so, als ob einige Lieder vom Karneval zur Allgemeinbildung eines jeden Brasilianers gehören.
Es war ein echt wundervoller Abend, den ich nie wieder vergessen werde.
Man lernt viele tolle neue Leute kennen und da so gut wie die ganze Stadt dort war, sieht man auch einmal, wie viele Leute man allein in sechs Monaten kennen lernen kann.
Brasilianer legen nicht wirklich unglaublich viel wert auf Verkleidung. Oft ist es einfach nur bequeme Kleidung, die nicht zu heiß ist und irgendein Kopfschmuck. Oder wenn man das T-shirt von dem Umzug hat, dann zieht man natürlich dieses an. Natürlich gibt es auch skurile und lustige Verkleidungen, aber es ist mit Sicherheit nicht das Wichtigste. Hauptsache es ist bunt und nicht allzu warm und man hat Spaß! Karneval ist dazu da Spaß zu haben und den Rest für fünf Tage hinter sich zu lassen.
Für mich hat das neue Schuljahr am letzten Dienstag begonnen, jedoch fängt Schule erst so wirklich nach Karneval an und für viele Brasilianer fängt das ganze Jahr erst nach Karneval an.
Vorher dreht sich für viele alles nur darum. Ich hatte also vier Tage Schule und habe jetzt erst einmal wieder bis Donnerstag frei.
Gestern war ich auf einem Karneval in einer anderen Stadt und es ist einfach eine echt schöne Erfahrung den brasilianischen Karneval mal außerhalb jeglicher Klischees zu sehen.

Das war's auch erst einmal wieder.

Até breve,

Lisa:)

















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