Sonntag, 10. April 2016

251/335 -Das Leben eines Austauschschülers

Hallo ihr Lieben,

ich dachte mir, ich könnte mal wieder einen Eintrag über die letzten Wochen machen. Nach dem letzten Post habe ich die beiden Feiertage mit meiner Familie und Freunden verbracht und am Samstag sind wir dann zum Mittagessen nach Rio de Janeiro gefahren. Es war der Geburtstag von einem Freund meiner Gastfamilie und zusammen sind wir dann zu 'Outback' gegangen. Das ist ein australisches Steakhouse welches es hier in den größeren Städten gibt (ich war auch schon einmal in Sao Paulo) und das Essen dort ist es unglaublich gut! Leider gibt es diese Restaurant-Kette in Deutschland nicht. Das einzige Problem ist, dass man dort immer sehr lange warten muss, weil es wirklich sehr beliebt ist. Nachdem wir gegessen hatten, sind wir noch ein wenig in einem Shopping-Center gewesen und danach auch schon direkt wieder nach Hause. Ich finde es immer wieder schön in Rio zu sein, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Ich liebe diese Stadt!
Ansonsten hatten wir in der Woche danach in der Schule eine Oster-Feier. Die bestand dann einfach aus einem kleinen Theaterstück über das letzte Abendmahl und ein paar Worten der Direktorin. Danach kam man schon zu dem Besten des Ganzen: Dem Essen! Jeder sollte irgendeinen Snack mitbringen und das wurde dann zu einem großen Buffet aufgebaut und alle durften essen.
Sowas könnte es eigentlich jeden Tag in der Schule geben.
Das Wochenende danach war ich mit Freunden in dem Club hier am Pool und wir sind Fahrrad gefahren!! Ja, tatsächlich: Fahrrad gefahren! In den letzten 251 Tagen bin ich erst 4-mal auf einem Fahrrad gesessen und das hat einen ganz einfachen Grund: Die Autofahrer respektieren keine Fahrradfahrer und es gibt keine Radwege. Das 1. Mal war, als ich das Fahrrad meiner Gastmutter nach Hause fahren sollte und wirklich froh war, lebend zu Hause anzukommen! Danach hab ich mir gesagt, dass ich nie wieder in Brasilien auf einer Straße Fahrrad fahre. Ansonsten war ich einmal in einem Park in Salvador mit dem Fahrrad unterwegs und die letzten beiden Male waren hier bei mir in dem Club, denn es gibt jetzt Fahrräder zum kostenlosen Benutzen dort!! In Deutschland bin ich so oft gefahren, deswegen vermiss ich es doch schon ziemlich und da macht es mir auch nichts aus, wenn man in dem Club immer nur im Kreis fahren kann. Hauptsache mach kann überhaupt fahren.
Ich hätte vorher nie gedacht, dass das eines der Dinge sein wird, die ich so sehr an Deutschland vermissen würde, aber es ist tatsächlich so! :D
Meine Freunde und ich wollen das jetzt öfters machen. Es ist echt toll erst ein wenig Fahrrad zu fahren und sich danach im Pool abzukühlen.
Es ist jetzt gerade Herbst hier und man kann wirklich keine großen Unterschiede sehen. Man kann die einzelnen Jahreszeiten hier sowieso kaum unterscheiden. Es ist trockener geworden (in Herbst und Winter regnet es weniger) und auch kälter (von etwa 38 auf 32 Grad :D), aber das war es auch schon. Morgens kann es jetzt tatsächlich auch einmal ein wenig frisch sein und ich bin letzte Woche jeden Tag mit einer dünnen Jacke in die Schule gelaufen. Ich muss eindeutig sagen, dass mir das Klima,so wie es jetzt ist, um einiges besser gefällt als im Sommer, da es trotzdem noch schön warm ist, aber nicht mehr ganz so unerträglich heiß.
Ich habe die letzte Woche also hauptsächlich am Pool verbracht und das Wetter genossen.
Am Freitag hatten wir nur bis 9:30 Uhr Schule, da wir nur einen Vergleichs-Test machen mussten und wir direkt danach gehen durften. Ich bin direkt danach mit Freunden zum Pool. Am Abend war dann noch ein Treffen mit den anderen YFU-Austauschschülern hier in der Nähe. Da es in einer anderen Stadt was, musste ich mit dem Bus dahin fahren. Leider war dieses Treffen ein Abschied von einem anderen deutschen Austauschschüler, welcher schon morgen wieder zurück nach Deutschland fliegt. Also haben wir einfach zusammen gegessen (Hauptaktivität eines Austauschschülers) und über unsere bisherigen Erfahrungen geredet. Nach dem Treffen sind dann nur wir Austauschschüler selbst noch Acai essen gegangen. Danach musste ich auch schon wieder zurück in meine Stadt und bin noch einmal mit meinen Gasteltern essen gegangen. Ich war an diesem Tag insgesamt 16 Stunden unterwegs ohne nach Hause zu kommen, aber es war ein echt wunderschöner Tag.
Gestern war ich erst einmal mit meiner Familie essen und danach wieder mit Freunden am Pool und abends war ich bei einem Jugendgottesdienst zusammen mit einer Freundin.
Ich habe die letzten Tage immer einmal wieder Bilder von den letzten acht Monaten angeschaut und gemerkt, wie viel ich einfach schon erlebt habe. Und doch sind es die kleinen Dinge, die ein Auslandsjahr doch gerade so besonders machen. Das Gefühl dazu zu gehören, die Sprache zu sprechen ohne ständig nachfragen zu müssen, sich zu Hause zu fühlen, sich mit Freunden zu treffen, sich in der Stadt auszukennen und viele weitere solche Dinge.Ich denke es ist wichtig, sich vor dem Jahr nicht zu viel vorzustellen, wie das Jahr wird, da es am Ende eh komplett anders kommt. Außerdem sollte man nicht so viele Erwartungen haben, denn so wird man vielleicht enttäuscht und sieht vielleicht nicht einmal mehr die ganzen anderen tollen Dinge die passieren. Ich denke, es ist wichtig, dass man einfach alles auf sich zukommen lässt, aber versucht jede Chance zu nutzen, die man im Auslandsjahr bekommt. Denn man darf nie vergessen: Die Zeit kommt nicht wieder! Außerdem darf man sich nicht mit anderen Austauschschülern vergleichen. Es wird immer Leute geben, die mehr erleben, mehr reisen, denen es besser geht oder irgendetwas 'besser' haben. Aber, kaum einer postet öffentlich die Probleme, die er wirklich hat. Auch das Auslandsjahr der anderen ist nicht so perfekt, wie es vielleicht im Internet scheint. Und jeder macht eine ganz andere Auslandsjahr-Erfahrung. Man sollte sich einfach auf sein einiges Jahr konzentrieren und das Beste daraus machen und nicht ständig auf das Leben der anderen Austauschschüler schauen. Es gibt kein 'besser' oder 'schlechter', sondern nur 'anders'. Andere Erfahrungen, andere Probleme, andere Dinge, die man lernt usw..und es ist jedes Jahr so, dass es die gibt, die mehr Glück hatten und die, die weniger Glück hatten, aber selbst, wenn etwas nicht so gut läuft, kann man doch nur daraus lernen!:)
Dadurch lernt man auch mehr und mehr zufriedener zu werden mit dem,was man hat.
Ich wollte das nur noch einmal mit auf den Weg geben, vor allem an die, die noch ein Auslandsjahr vor sich haben.
Ich liege gerade hier in der Hängematte bei mir zu Hause und es fühlt sich einfach so normal an. So als wäre ich schon ewig hier. Es sind genau solche Dinge, an die man sich nach dem Auslandsjahr doch auch noch erinnern wird. Es sind nicht nur die großen Dingen, viel wichtiger sind die kleinen Dinge.
All das bleibt mir für immer und ich weiß, dass ich es nie bereuen werde, ein Auslandsjahr gemacht zu haben.

Até breve,

Lisa:)

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Rio♡

Outback- Nachtisch*-*



Mein Versuch deutsch zu kochen..






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