Sonntag, 5. Juni 2016

10/11 Monate Brasilien-die letzten 4 Wochen in den Tropen

Hallo ihr Lieben,

heute ist es genau 10 Monate her, dass ich in Brasilien angekommen bin. Und wie fast jeden Tag stell ich mir die Frage: Wo ist die Zeit nur hin? Vor 10 Monaten wusste ich nicht, was in diesem Jahr auf mich zukommen würde, was ich erleben würde, ob ich mich zu Hause fühlen würde und mit welchen Leuten ich mein Auslandsjahr erleben würde. Jetzt-10 Monate später- sieht das schon alles anders aus und ich bin kurz davor mich von allem zu verabschieden und voller Erinnerungen zurück nach Deutschland zu gehen. Denn Erinnerungen sind das, was uns keiner wegnehmen kann. Ich kann die Wochen, die ich hier noch habe, schon an einer Hand abzählen. Und das heißt was? Die Zeit der Abschiede hat begonnen.
Letzte Woche war das letzte Mal meine Gastschwester aus Sao Paulo zu Besuch, zusammen mit ihren beiden kleinen Kindern und das war wohl der erste wirkliche Abschied. Ich weiß nicht, wann ich sie das nächste Mal wiedersehen werde. Es ist ein komisches Gefühl. Vor einem Jahr war der Abschied anders. Man wusste, dass man nach 11 Monaten wiederkommen würde und alle wiedersehen würde, aber diesmal ist es anders. Man weiß eben nicht wann genau man wiederkommt. Wann genau man alle wieder in den Arm schließen kann. Das ist schon ein komisches Gefühl.
Am Anfang ist alles neu, man fühlt sich anders, man fühlt sich noch nicht ganz wie ein Teil der Gemeinschaft, aber von Monat zu Monat wird das besser. Man selbst passt sich man, man lernt alles besser kennen und irgendwann ist es einfach nur Normalität. Es ist so, als hätte man sein Leben nichts anderes gemacht. Jeden Tag derselbe Schulweg, derselbe Blick aus dem Klassenzimmer, dieselben Menschen um einen herum und es ist einfach normal. Ich fühle mich zu Hause hier.
Es sagen immer alle: In der ersten Hälfte baut man sich alles auf und in der zweiten Hälfte lebt man.
Und das stimmt wirklich. Aus diesem Grund kommt es einem auch so vor, als würde die zweite Hälfte eines Auslandsjahres schneller vergehen. Man lebt einfach sein neues Leben, ein Leben mit Höhen und Tiefen, ein Leben, wie jeder anderer hier auch hat.
In den letzten Wochen habe ich viel mit Freunden und Familie gemacht. Egal, ob eine Freundin bei dir übernachtet, man Essen geht, man sich mit Freuden auf der 'sitio' (Grundstück außerhalb der Stadt) trifft oder bei jemanden zu Hause und ein churrasco macht, man auf einen Geburtstag geht oder zu irgendeinem anderen Fest: Es ist, als wäre man nicht mehr anders. Es ist einfach normal und man gehört dazu.
Allein die Vorstellung, dass ich in 4 Wochen all diese Menschen, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind, zum letzten Mal für eine lange Zeit sehen werde, ist eine komische Vorstellung. Ich will eigentlich noch gar nicht daran denken.
Aber nicht nur die Menschen, auch den Ort werde ich vermissen. Das Blau des Himmels, das Grün und Rot der Hügel, der Blick aus meinem Zimmer, die Palmen..All das wird für immer in meinen Erinnerungen bleiben.
Meine Gefühle ändern sich mal wieder stündlich. Einerseits will man wieder zurück und im nächsten Moment will man einfach nur hier bleiben und will gar nicht an den Tag der Rückreise denken. Es ist alles auf einmal und man weiß nicht genau was man fühlen soll und was man eigentlich wirklich will.
Es ist wohl eine der schwierigsten Zeiten während eines Auslandsjahres von den Gefühlen her.
Jeden Tag sehe ich zur Zeit Austauschschüler, die schon nach Hause müssen, etwas über den Abschied posten. Jeden Tag sieht man Austauschschüler nach Hause gehen und da merkt man: Bald ist man auch dran..Die Generation von Austauschschülern 2015/2016 ist am Ende des Auslandsjahres angelangt und bald werden wir alle wieder in unseren Heimatländern sein. Voller Geschichten, voller Erinnerungen an all das was wir erlebt haben.
Ich muss mir jetzt langsam Gedanken darüber machen, wie ich alles nach Deutschland transportieren kann und ich werde nächste Woche wahrscheinlich schon einmal ein Paket vorschicken. Zum wiederholten Mal heißt es nun: Packe dein Leben in einen Koffer! Und zum wiederholten Mal wird das keine leichte Aufgabe.
Nächste Woche werde ich außerdem noch eine Präsentation in der Schule über Deutschland und Austausch halten.
Ende Juni findet in Brasilien das 'festa junina' (Juni-Fest) statt und zur Zeit bereitet meine Schule gerade den Tanz für das Fest an unserer Schule vor. Auch ich war bei einer Probe dabei, habe jedoch nach dieser Stunde gemerkt, dass ich das Tanzen wohl doch lieber den anderen überlassen sollte und selbst nur als Zuschauer zu dem Fest gehen sollte.
Ich werde jetzt erst einmal noch das Beste aus den letzten Wochen hier herausholen und den letzten Monat auch noch genießen.
Ich melde mich dann in drei Wochen wieder.

Até mais,

eure Lisa:)

Ich habe aus den letzten Wochen kaum Bilder, außer mit Freunden zusammen, welche ich aus Gründen von Privatsphäre hier nicht posten werde. Trotzdem hier eine kleine Auswahl der letzten 3 Wochen:

Hängematte und Buch<3

'Deutsche Torte' (kommt aber nicht aus Deutschland:D)



Fleisch, Fleisch, Fleisch- das Motto der Brasilianer (churrasco)

Heimatsgefühle:D






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen